Taman Negara

Januar 28, 2011 by
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Letztes Wochenende waren wir in Taman Negara – malaysisch für „National Park“. Wir sind Freitags direkt nach der Arbeit aufgebrochen und sind nach gut 1,5 Stunden bestem Innenstadtverkehr auch endlich auf der Autobahn Richtung Jerantut gewesen. Erstenst: Lob an Malaysia – Eure Autobahnen sind besser als 95% der Straßen, die ich in Australien gesehen habe. Vor allem mindestenst zweispurig. Und leer. Aber das wird auch auf die Maut zurückzuschließen sein – die sich aber mit 10-15 Ringgit (3-4 Euro) in Grenzen hält.

Nachdem wir dann in Jerantut waren, waren wir der festen Überzeugung, dass wir die Karten lesen konnten und sind erst mal schön 1,5 Stunden im Kreis gefahren. Nachdem wir dann in einer halbverlassenen Gegend einen Wachmann gefunden hatten (der erst mal von uns weggelaufen ist) – haben wir uns den Weg erklären lassen. Herrlich! Der Kerl hätte mit seiner Akribie fast ein Schwabe sein können. Von seinem Englisch her auch. Milimeter für Milimeter hat er mit Hilfe seines eisernen Lineals aus seinem Notizbuch säuberlichst einen Zettel für herausgetrennt. Dann gab es die Routenbeschreibung – simpel, aber effektiv.

Also haben wir uns dann bei einsetzender Dunkelheit auf den richtigen Weg nach Kuala Tahan gemacht. (Kuala heißt soviel wie Zusammenfluss – ein häufiger Ortsname). Ein Teil der Strecke hatten wir dann sogar eine Polizeieskorte – Mitten aus dem Nichts. Es war richtig dunkel geworden – der Proton hat die Leuchtleistung einer Kerze – und der Wagen vor uns leuchtete auf. *schwitz* – aber die Polizei wollte nichts von uns und war einfach die nächsten Kilometer unsere fahrende Leuchtkugel.

Durch unseren kleinen Umweg war der Tank gefährlich leer geworden. Dank der hoch-effizienten 4-Gang Automatik schafft der Saga nicht viel mehr als 350km aus seinem 30 Liter Tank herauszuholen. Die Straßenbeschreibung des Hostels (wie sich das gehört nur mit dem Handy abfotographiert) war so rudimentär, dass wir weiterhin ein paar Meter mehr von der Umwelt sahen, als wir eigentlich wollten. Das stetige Abbremsen durch Kurven, Kühe und Schlaglöcher setzte dem Tank noch mehr zu. Die netten Herren mit ihren Rollern – Machete am Lenkrad & Schrottflinten um die Schulter – wurden auch immer seltener.

Irgendwann waren wir am Ende der Straße angekommen, nach vorne nur Urwald und schlammige Flüsse. Aber nicht unser Hostel. Mehrere Wegbeschreibungen später und einen verzweifelten Anruf später waren wir dann aber doch da. Die Leute im Hostel super freundlichen haben uns erst mal Abendessen hingestellt – gegrillter Fisch direkt aus dem Fluss, Gemüse. Lecker! Auf dem Blog eines Kollegen hatte ich ja bereits schlimmstes erwartet – angeblich gibt es in den ländlichen Gegenden, weil muslimisch, meist kein Bier. Aber nicht hier. Ein Kühlschrank für die Götter und mit 8 RYM pro Dose (2Euro) für hiesige Verhätlnisse sehr günstig.

Dann die Hütte bezogen – auf die Veranda gesetzt und Heart of Darkness gelesen. Das hatte mir F. freundlicherweise an dem Tag geschenkt 🙂 Danke an der Stelle nochmal. Endlich fällt mir dieses Buch in die Hände – habe mir seit 2008 vorgenommen es mal zu kaufen – die literarische Vorlage für Apocalypse now. So ein südostasiatischer Regenwald ist auch eine schöne Umgebung dafür.

Sonst über die 2 Tage im Park lässt sich kurz zusammenfassen: Bäume, Bäume, Bäume. Insekten, Insekten, Insekten – toter Affe uuuuuund Hitze. Alter Falter. War ich fertig mit der Welt. Unser 10km Track – super entspannt mit einer Bootstour angefangen (oben ein Bild von unserem Guide auf dem Weg zum Start) – entwickelte sich zu einem persönlichen Alptraum. Die ersten Kilometer gingen ja – aber dann… ist mir echt bei jedem Schritt der Kopf explodiert. Kurze Zwischenstops wie in in einem Camp der Orang Asli – afrikanisch-stämmige Dschungelbewohner – halfen sehr. Was wir in dem Lager ursprünglich für ein Xylophon hielten stellte sich dann als Köcher für Giftpfeile heraus – sogar eine Shooting Range gab es. Jetzt weiß ich auch wieso ich auf der Arbeit liebend gerne in kühlen Büros vor dem Laptop sitze 🙂 Und dann ist mir meine Wasserflasche den Abhang runtergefallen. 0,75 Liter Wasser weg. Zum Glück hatte ich noch 2 Liter in Reserve – aber es wurde knapp. Als wir wieder in Kuala Tahan waren – hatte ich dann erst mal 3 Getränke vor mir stehen. Leider nicht die, die ich wollte – da mal wieder Stromausfall war und es nur die Hälfte der Speisekarte zur Auswahl gab ^_^

Am nächsten Tag sind wir dann mit einem älteren englischen Ehepaar zu ein paar kleinen Wasserfällen aufgebrochen. Es zeigte sich, dass der Treck am Vortag wirklich nicht anstrengend war – kein Muskelkater. Aber die Hitze hatte das Ganze echt zur Tortur gemacht. Da war die Bootsfahrt wirklich entspannend. Diesmal hatten wir noch einen Navigator vorne im Boot, der mit Stock und Schaufel bewaffnet, uns durch die Untiefen des Flusses lotste. Manchmal war das Wasser so flach, dass der Motor wenig bewirkte und wir wurden mit geschickten Bewegungen des Stockes nach vorne geruckt. Die Wasserfälle waren weniger spannend, aber ich konnte mich wieder herrlich Heart of Darkness widmen – die Umgebung war sogar noch besser für die Athmosphäre – die beschriebene Hitze, die lange Bootsfahrt an endlosem Dickicht – so macht Lesen Spaß.

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